Alte Hamburger Poststraße
Sommerserie "Abgefahren!" stellt Radstrecken rund um Hennigsdorf vor / Teil 4: Alte Hamburger Poststraße
Von Petra Wolf
Hennigsdorfer Generalanzeiger
Die Route des ehemaligen Postweges zwischen Berlin und Hamburg ist die einzige brandenburgische Strecke, die es ermöglicht, dort zu wandern oder zu radeln, wo einst Reiter oder Kutschen der Post verkehrten. Die eigentliche Strecke ist 32 Kilometer lang und führt von Hennigsdorf über Bötzow und Flatow nach Kremmen. Zwischen Hennigsdorf und Kremmen verkehrt die Regionalbahn der Linie RB 55 im 40- beziehungsweise 20-Minutentakt. Wir haben uns bei unserer Radtour für ein Teilstück der Route von Vehlefanz über Bötzow nach Hennigsdorf entschieden - einerseits, um das 20-Kilometer-Limit einzuhalten und andererseits, um auf der Rücktour unabhängig von den Abfahrzeiten der Regionalbahn zu sein. Von Vehlefanz führt der Weg auf der Perwenitzer Chaussee über die A 10 und Wolfslake in den Krämer Forst. Etwa einen Kilometer hinter Wolfslake weist ein Schild links zum Forsthaus Krämerpfuhl.
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Kurz dahinter verläuft die Alte Hamburger Poststraße. Rechts geht es nach Flatow, links nach Bötzow. Der Rastplatz ,,Am alten Ziegenkrug" lädt mit seinen überdachten Holzbänken und -tischen zum Verweilen ein. Von dort kann man einen Abstecher zur 12-Brüder-Buche unternehmen oder im Waldgasthaus ,,Saubucht" einkehren - die einziges Restaurant auf dieser Strecke. Immer geradeaus führt der Weg bis kurz vor Bötzow auf die Wandsdorfer Chaussee. Diese geht nach links in die Dorfaue über. Dort befindet sich eine schöne Feldsteinkirche mit Fresken aus dem späten Mittelalter. Am Ortsausgang geht es etwa eineinhalb Kilometer auf der ziemlich befahrenen Straße Richtung Schönwalde, bevor hinter der Brücke links das Schild ,,Jungferndamm" auf den Radweg hinweist, der auf bequemstem und gefahrlosestem Wege direkt nach Hennigsdorf führt. Vorbei am Friedhof führt der Bötzower Weg zum Stadtpark. Am Ende des Parks wird die Fontanestraße überquert, in die Heinestraße gefahren, von der links die Rathenaustraße abgeht. Über den Postplatz erreicht man den Bahnhof Hennigsdorf.
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Radtour mit Tourenleitung für Gruppen
HENNIGSDORF Dass die Post vor 200 Jahren wochenlang mit Reitern und Kutschen zu ihren Adressaten unterwegs war, ist in unserer schnelllebigen Zeit kaum noch vorstellbar. Im letzten Teil unserer Sommerserie ,,Abgefahren" versuchen wir, uns in diese Zeit hineinzuversetzen. Im Jahre 1649 gründete der Große Kurfürst eine staatliche Postanstalt für Brandenburg. Zunächst bestand diese nur aus Postreitern, die später durch Kutschen ersetzt wurden. Fünf Jahre später beschloss Friedrich Wilhelm die Errichtung der Postroute von Berlin nach Hamburg. Die gelben Postkutschen fuhren vom Oranienburger Tor über Tegel, Heiligensee, durch die heutige Hennigsdorfer Heide und die Jungfernheide bis nach Bötzow. Von dort bis Flatow ging es mitten durch den Krämer Forst. Nach 1817 führte der Weg ab Hennigsdorf um den Wald herum über Eichstädt und Kremmen.
Die Alte Hamburger Poststraße verlief bis 1817 identisch mit dem Wunderblutweg, auf dem die Pilger zur Wunderblut-Kirche nach Wilsnack wanderten. Bis zum Jahr 1879 war die Strecke Berlin-Hamburg als Postkurs dokumentiert. 1925 quittierte schließlich der letzte Postkutscher seinen Dienst.
Der gesamte Streckenverlauf von Hennigsdorf nach Kremmen ist 32 Kilometer lang. Um unser 20 Kilometer-Limit einzuhalten, beginnen wir unseren Ausflug in die Vergangenheit in Vehlefanz. Radtourleiterin Ulrike Wachotsch wartet bereits auf dem Bahnsteig in Hennigsdorf. Von dort aus fahren wir die zwei Stationen mit der Regionalbahn RB 55 Richtung Kremmen. Vorbei an der Nashorn-Grundschule radeln wir auf der Perwenitzer Chaussee über die Autobahn nach Wolfslake. ,,Das ist der einzige Weg, der befahrbar ist", sagt Ulrike Wachotsch. ,,Sonst gibt es hier vor allem Reitwege." Links stehen drei stattliche Kraniche auf dem Feld. Ja, der Herbst ist nicht mehr weit. Bald werden sie zu Zigtausenden im Oberen Rhinluch Rast machen. Doch am rechten Straßenrand erfreut sich die Wegwarte des warmen Sommertages und streckt ihre azurblauen Blütenköpfe der Sonne entgegen.
Plötzlich umweht Sauerkraut-Geruch unsere Nasen. Wir nähern uns der Schwanteland GmbH. Die Zeit der Erdbeeren- und Sauerkirsch ernte ist vorbei. Nun warten bald die ersten Äpfel auf Selbstpflücker. Rechts vor uns liegt Klein Ziethen. Ulrike Wachotsch erzählt von einer Gaststätte, die dort tellergroße Schnitzel anbietet. Ich kriege Hunger, radele aber tapfer weiter, denn wir haben ja noch nicht mal die Hälfte der Strecke absolviert.
Hinter Wolfslake geht es in den Krämer Forst. Nach etwa einem Kilometer weist das Schild ,,Krämerpfuhl" nach links. Bald sind wir am Forsthaus mit seinem Tiergehege. Die Schwarzkittel bekommen wir nicht zu Gesicht. Nur ziemlich weit entfernt sehen wir ein Wildschwein, das uns ziemlich grimmig zu beobachten scheint.
Hinter dem Krämerpfuhl verläuft die Alte Hamburger Poststraße. Wir folgen ihr links in Richtung Ziegenkrug und stoßen bald auf den ersten der zahlreichen neuen Meilensteine, die vor einigen Wochen entlang der Poststraße aufgestellt wurden. Es ist ein Sandsteinwürfel, der eine Viertelmeile markiert. Am Rastplatz Ziegenkrug angekommen, gönnen wir uns eine Pause, denn wir haben etwa die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Elf Kilometer zeigt Ulrike Wachotschs Tacho an. Ich bin erstaunt. Mir ist das gar nicht so viel vorgekommen. Der Ziegenkrug war einst ein rotes Backsteingebäude, das in den 60-er Jahren abgerissen wurde, wie auf einer Infotafel geschrieben steht. Es war Wirts-, Post- und später Forsthaus sowie eine Herberge.
Uns kommen zwei Wanderer entgegen. Richtig gesagt sind es Pilger, die seit gestern auf dem 130 Kilometer langen Pilgerpfad von Berlin nach Bad Wilsnack unterwegs sind. Der Weg ist durch drei rote Punkte gekennzeichnet, die mit rot-orangener Farbe an die Bäume gesprüht wurden. Die beiden haben in Bötzow übernachtet und wollen heute noch Staffelde erreichen. ,,Wir sind zu schnell", sagen sie lachend. ,,Das sind nur noch sechs Kilometer."
Nach der kurzen Rast machen wir uns wieder auf und treffen auf zwei Höhepunkte der Poststraße. Links des Weges steht ein historischer Holzwegweiser, den Tischlermeister Olaf Thiede aus Bötzow originalgetreu nachbaute. Er wurde im Jahr 2001 aufgestellt. Die Farben blau und weiß stehen für Preußen. Und Orange wahrscheinlich für die Niederlande, denn schließlich kam Louise Henriette von Oranien, die Frau Friedrichs I., von dort. Etwa 50 Meter weiter sehen wir einen echten Ganzmeilenstein aus dem Jahre 1803 mit Sockel, Basis und einem obeliskenförmigen Schaft. Er markiert die Position ,,Vier Meilen bis Berlin", stand während der Zeit, als der Krämer Forst als militärisches Übungsgelände genutzt wurde, in Falkensee und wurde 2004 wieder an seinen Originalstandort gebracht.
Wir fahren weiter Richtung Bötzow. Es macht Spaß, auf dem gut asphaltierten Weg zu radeln, im Schatten hoher Bäume, die hin und wieder einen Sonnenstrahl hindurch lassen. In Bötzow angekommen, müssen wir ein gutes Stück auf der ziemlich befahrenen Schönwalder Straße radeln, bevor wir links in den Jungferndamm einbiegen können. Hier beginnt die Fahrradstraße, der ,Seen-Kultur-Radweg, wie Ulrike Wachotsch erklärt.
Der Weg überquert den Muhrgraben. An dieser Stelle stand früher eine hölzerne Blockbrücke, über die bereits um 1800 Postkutschen über die Muhre rollten. Im Süden staut sich die Muhre zu kleinen Teichen auf - dem Teufelsbruch. Muhre mit Teufelsbruch stehen als FFH- (Fauna-Flora-Habitat) Gebiet unter Schutz.
Nun ist der Weg bis nach Hennigsdorf nicht mehr weit. 22 Kilometer zeigt das Tacho an, als wir am Bahnhof ankommen. Das ist eine gut zu bewältigende Strecke, die uns die Geschichte unserer märkischen Heimat wieder ein Stückchen näher gebracht hat. Und per Rad begebe ich mich in Richtung Heimat, um ein zweites Mal an diesem Tage einen Teil der Strecke abzufahren, die als "Thementour entlang des Mauerweges" im Teil zwei unserer Serie ,,Abgefahren" vorgestellt wurde.
Orientierung auf dieser Stecke:
Vollständig ist die Route auf der Rad und Wanderkarte vom Regionalpark Krämer Forst zu finden. Die Karte ist gut aktulisiert und daher empfehlenswert. Die Karte können Sie bequem bei Amazon.de bestellen.
Krämer Forst und Umgebung 1 : 35 000. Radwander- und Wanderkarte: Ausflüge zwischen Spandau, Nauen, Linum, Heiligensee und Oranienburg
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Radtouren mit der Radpartie durchführen, gern auch als Betriebsausflug
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